Projekte

Grenzgang

Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber Einsatzkräften, Gaffer an Unfallstellen, Rassismus und Sexismus innerhalb der Polizei und Feuerwehr sowie Rettungskräfte, die Patienten schlagen… Dies sind nur einige Beispiele, die das aktuelle Zeitgeschehen in einer sich zunehmend entsolidarisierenden Gesellschaft belasten. Wie kann diese Situation nachhaltig verbessert werden? Wie kann man Einsatzkräften und Bürger:innen dabei helfen eine Haltung auf Grundlage der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu entwickeln und zu bewahren? Mit dieser Fragestellung setzt sich das interdisziplinäre Ausstellungs- und Forschungsprojekt „Bremer Grenzgang" auseinander. In Kleingruppen werden die Einsatzkräfte in einer Ausstellung über verschiedene Themenbereiche mit passenden Fallbeispielen geschult und zum Perspektivwechsel angeregt, mit dem Ziel die eigene Haltung zu reflektieren und die Resilienz der Einsatzkräfte langfristig zu stärken.

Wir sind der Überzeugung, dass Einsatzkräfte aus Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei besser für menschliche Grenzsituationen und ethische Dilemmas geschult werden müssen. Aktuell werden ethische Fragestellungen für Einsatzkräfte meist nur theoretisch und mit wenig Praxisbezug in den Berufsausbildungen behandelt. Oftmals fühlen sich Einsatzkräfte stark überfordert, wenn sie erstmalig und auf sich alleine gestellt in eine solche Grenzsituation geraten. 

Gleichzeitig ist es erforderlich, bei regelmäßigen beruflich bedingten physischen und psychischen Belastungssituationen Räume zu schaffen, in denen Einsatzkräfte regenerieren und sich selbst reflektieren können. Zusätzliche Relevanz gewinnt dieser Sensibilisierungsprozess durch die Fürsorgepflicht und der damit einhergehenden Prävention von Belastungsstörungen und aktiven Gegensteuerung von sich (möglicherweise beruflich begünstigt) entwickelnder extremistischer, rassistischer oder sexistischer Einstellungen der Einsatzkräfte. 

Besucher:innen sollen den Grenzgang und den Besuch des Kraftraums mit dem spürbaren Mehrwert einer verbesserten Resilienz für den dienstlichen Alltag und für Grenzsituationen verlassen. Sie sollen sich besser dazu befähigt fühlen, richtig handeln zu können und auf eine eigene, gefestigte Haltung zurückgreifen zu können, die eine Entscheidungsgrundlage in kritischen Situationen darstellt. Durch die zunehmende Einsatzerfahrung im Laufe der Jahre greifen die regelmäßigen Besuche die Entwicklung der eigenen Haltung immer wieder auf und helfen bei der Selbstreflexion der eigenen Haltung während der Laufbahn. Wünschenswert ist daher die Umwandlung des Projektes in ein etabliertes und langfristiges Dauerangebot für Einsatzkräfte.