Landesverband Bremen e.V.

Hilfen für Menschen mit Behinderung

„Es geht um mich: in meiner Straße, meiner Gegend, meiner Stadt…“: Fachtag

Fachtag zu personzentrierter sozialräumlicher Arbeit in Bremen

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„Es geht um mich: in meiner Straße, meiner Gegend, meiner Stadt…“ - Fachtag zu personzentrierter sozialräumlicher Arbeit in Bremen © Julian Thies

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Es ist noch gar nicht so lange her, da lebten Menschen mit Behinderung in großen Sondereinrichtungen am Rande der Städte oder im ländlichen Raum. Ein Kontakt mit dem gesellschaftlichen Leben fand so gut wie gar nicht statt. Seit dieser Zeit hat sich viel verändert, gerade in Bremen. Es gibt viele professionell arbeitende Einrichtungen, die Menschen mit Behinderung bei der Arbeit, beim Wohnen und bei Freizeitaktivitäten unterstützen. Diese erfüllen jedoch noch nicht die Standards, die die UN-Behindertenrechtskonvention vorschreibt. Diese gesetzliche Vorgabe wurde auch in Deutschland übernommen. Sie besagt, dass Menschen mit Behinderung unabhängig von der Höhe des Unterstützungsbedarfs das Recht auf größtmögliche Individualität und Selbstbestimmung haben und an allen gesellschaftlichen Errungenschaften teilhaben sollen. Man könnte dies auch Inklusion nennen.

Die gilt nicht nur für die Schule, sondern für alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Und davon ist die Lebenswirklichkeit vieler Menschen mit Behinderung weit entfernt. Nicht wenige wohnen in Heimen, werden mit Fahrdiensten befördert und arbeiten tagsüber in Sondereinrichtungen wie Werkstätten oder Tagesförderstätten. Ihr Erfahrungsraum ist begrenzt, wird von den Strukturen der Einrichtungen bestimmt und ein Kontakt mit dem Leben im Stadtteil findet nur bei Einkäufen oder Spaziergängen statt.

Um zu zeigen, dass es auch anders geht, hat der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Bremen einen Fachtag zum Thema „Mit personzentrierter sozialräumlicher Arbeit Wege ins Quartier öffnen“ veranstaltet. 160 Fachleute aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Tschechien kamen im Bürgerzentrum „Neue Vahr“ zusammen, um sich zu informieren und in Workshops mitzuarbeiten.

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Der Sozialarbeitswissenschaftler Wolfgang Hinte referiert über Sozialraumorientierung in der Behindertenhilfe

Der Sozialarbeitswissenschaftler Wolfgang Hinte hielt einen Einführungsvortrag zur Sozialraumorientierung in der Behindertenhilfe. Seine zentrale Aussage war: „Gute sozialräumliche Arbeit setzt beim Willen des Menschen an.“ Dieser setze die Energie frei, die notwendig sei, um Veränderungen zu erreichen. Die Ausrichtung auf den Sozialraum, die Nachbarschaft oder den Stadtteil ermögliche eine stärkere Teilhabe am sozialen Leben und damit mehr Lebensqualität. Wichtig sind nach Hinte sowohl die Ressourcen des Menschen als auch die Ressourcen des Sozialraumes. In diesem Sinne forderte er eine engere Kooperation von Kostenträgern und Leistungserbringern.

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Bei Vorträgen und in Worshops gab es engagierte Diskussionen

Heinz Becker, Leiter der ASB Tagesförderstätte für Menschen mit Behinderung in Bremen, zeigte in dem zweiten Vortrag auf, wie erste Schritte aussehen können. Beim ASB in Bremen ist man dabei, Menschen, die bislang in Wohnheimen wohnten, ein Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen. „Ambulantes Wohntraining“ heißt das Projekt, das bislang aus fünf angemieteten Wohnungen besteht. Die Tagesförderstätte kooperiert bei ihren Arbeitsangeboten für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf inzwischen mit 15 Einrichtungen und Betrieben im Bremer Osten. Dabei sind u.a. eine Gärtnerei, ein Fahrradhandel, eine Elektrofirma in der Windenergiebranche, das Quartiermanagement und eine Kirchengemeinde. Auch hier ist das Ziel, gesellschaftliche Teilhabe und individuell ausgerichtete Tätigkeitsangebote zu kombinieren. „Der Weg von der Aussonderung zur Teilhabe geht nur durch den Sozialraum. Es gibt eine Einheit von Teilhabe, personzentriertem Arbeiten und Sozialraumorientierung. Eines geht nicht ohne das andere.“, sagt Heinz Becker. 

Jochen Schlüter 26-OKT-2017
 

Hilfen für Menschen mit Behinderung

Heinz Becker

Leiter der Tagesförderstätte

Arbeiter-Samariter-Bund
Gesellschaft für soziale Hilfen mbH
Elisabeth-Selbert-Straße 4, 28307 Bremen

Telefon: 0421 4 10 04-10 , Telefax: 0421 4 10 04-25
E-Mail: h.Becker(at)asb-bremen.de

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