ASB-Tagesförderstätte für Menschen mit Behinderungen

Langjähriger Bereichsleiter Heinz Becker scheidet aus dem Berufsleben aus

Die Tagesförderstätte für Menschen mit Behinderungen in der Elisabeth-Selbert-Straße hat einen guten Ruf in Bremen-Osterholz. In der Einrichtung des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) werden Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf bei der Teilhabe am Arbeitsleben begleitet. In den letzten Jahren geschah dies zunehmend in Kooperation mit Betrieben und Einrichtungen im Stadtteil. Für diese Entwicklung maßgeblich verantwortlich ist der Sozialpädagoge Heinz Becker, der die Tagesförderstätte über 30 Jahre geleitet hat und nun im Alter von 65 Jahren aus dieser Tätigkeit ausscheidet.

„Nach genau 31 Jahren an dieser Arbeitsstelle beim ASB und über 40 Jahren Tätigkeit mit Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“, sagt Heinz Becker. Besonders die Auflösung der Klinik Kloster Blankenburg sei für ihn ein prägendes Erlebnis gewesen. Am 1.1.1989 startete die Tagesförderstätte mit 28 Beschäftigten, nach zwei Jahren waren es 40 Beschäftigte und heute sind es aktuell 70. „Am Anfang haben wir gesagt, wir sind hier der Arbeitsplatz und wir machen in der Tagesförderstätte Arbeitsangebote in Werkgruppen, z.B. in der Töpferei, der Seidenmalerei, der Papierwerkstatt. Von Anfang an gab es aber auch schon eine gewisse Außenorientierung. Wir haben unsere Produkte auf dem Wochenmarkt angeboten, haben selber Basare in der Tagesförderstätte durchgeführt und etwa 30 Bilderausstellungen mit Kunst der Beschäftigten in öffentlichen Einrichtungen und Galerien organisiert.“

Ab 2010 fand eine deutlichere konzeptionelle Ausrichtung der Tagesförderstätte in den Stadtteil hinein statt. Die Idee war nicht mehr nur Arbeitssituationen im geschützten Rahmen der Tagesförderstätte nachzubilden, sondern dahin zu gehen, wo das richtige Arbeitsleben ist. “Das hat in den vergangenen Jahren recht gut geklappt, inzwischen gibt es 20 Kooperationspartner, Betriebe oder Einrichtungen im Stadtteil, zu denen wir regelmäßig zum Arbeiten gehen.“ Die Beschäftigten arbeiten nicht mehr nur in den Werkgruppen der Tagesförderstätte, sondern auch für eine Kirchengemeinde, einen Fahrradhändler, die Bremer Heimstiftung, den Naturschutzbund (NABU) oder die Gesamtschule Ost (GSO). Um diese Weiterentwicklung der Tagesförderstätte umzusetzen, war es wichtig, dass das Team der Tagesförderstätte bereit war, sich neuen Aufgaben zu stellen, neue Impulse aufzugreifen, zu experimentieren und den Beschäftigten dabei mit Respekt zu begegnen. Sich nach außen zu öffnen, im Stadtteil in Erscheinung zu treten, bedeutet einen Rollenwechsel für die MitarbeiterInnen. „Es erfordert Mut, den goldenen Käfig der Sondereinrichtung ein Stück weit zu verlassen.“, sagt Heinz Becker, der sich sicher ist, dass der eingeschlagene Weg der Sozialraumorientierung auch in Zukunft weiter beschritten wird. Die Bereichsleitung der Tagesförderstätte übernehmen seine bisherigen StellvertreterInnen Johanna Prinzler und Malte Holsten.

(Jochen Schlüter)